DSGVO und Fotografie – was nun?

Was folgt, ist in eigener Sache, meine Meinung, meine Entscheidung und auf keinen Fall eine Rechtsberatung für andere.
Fotografie ist für mich nicht nur Leidenschaft, sondern besonders auch Kunst- und Pressefreiheit, ein Bild sagt manchmal mehr als 1000 Worte. Und es ist ein Gewerbe, schließlich waren es auch die spärlichen Einkünfte, die es mir ermöglicht haben, mich weiterzuentwickeln, neue Herausforderungen anzugehen und das sei auch erwähnt, meine Abgaben u.a. zur Handwerkskammer, dem Finanzamt, den Versicherungen zu leisten. Zum Glück ist es bei mir “nur” ein Nebengewerbe – das ich das heute sagen muss ist unendlich traurig, denn damit platzt für mich ein Traum. Fotografie hauptberuflich betreiben zu können, kann ich mir nicht (mehr) vorstellen. Die Kolleginnen und Kollegen, die das geschafft haben und weiterhin erfolgreich sind, haben meinen allergrößten Respekt und ich bin froh, dass es sie noch gibt.

Auf die vielen Einzelheiten und Stolperfallen möchte ich hier gar nicht eingehen, nur soviel: mit Inkrafttreten der EU-Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) im Mai 2018 ändert sich alles. Jedes (digitale) Foto mit der Abbildung von Personen wird zu einer personenbezogenen Datenerhebung und jeder, der ein solches Foto macht, ist für die Datenverarbeitung verantwortlich. Ob privat oder beruflich ist dabei so ziemlich egal. Es spielt nach derzeitigem Stand dabei auch keine Rolle, ob die Person gut erkennbar ist, oder nicht, sie muss in die Datenerhebung/-verarbeitung eingewilligt haben.

Die Windsbraut von Hartmut Wiesner
Die Windsbraut von Hartmut Wiesner, Wilhelmshaven, am Nassauhafen

Für mich, der häufig Sportveranstaltungen oder andere öffentliche Events fotografiert ist das ein Desaster. Wie soll das gehen? Von jedem einzelnen die Einwilligung einholen, die ggf. auch widerrufen werden kann? Die Regelung ist nun relativ neu und es wird sicherlich irgendwann klarer werden, wie damit umzugehen ist. Der Stand von heute ist jedoch: Rechtsunsicherheit (da sich weder Gesetzgeber, noch Behörden bisher ausreichend damit auseinandergesetzt haben). Es drohen empfindliche Bußgelder, für Fotografen und Veranstalter und ich wette, dass ein paar Abmahnanwälte [Nachtrag: und Denunzianten] schon in den Startlöchern stehen.

Die letzten Tage habe ich mich immer wieder gefragt, wie ich persönlich damit umgehen will/kann. Es fällt mir schwer und dabei könnte ich vor Wut im Strahl k…, aber ich muss davon nicht leben und das Risiko ist mir einfach zu hoch. Kurzum: Von mir wird es vorerst keine Fotos von Radrennen und anderen öffentlichen Veranstaltungen mehr geben. Das betrifft leider auch ehrenamtliche Projekte, wie z.B. Fotos für die örtliche Hospizbewegung. Getätigte Buchungen bleiben vereinbarungsgemäß bestehen, weitere werde ich nur annehmen, wenn die Einhaltung der DSGVO einigermaßen sichergestellt ist.

Eine Anmerkung zum Schluss: Nach dem, was ich bisher in Erfahrung bringen konnte, ist eine pauschale Einwilligung von Teilnehmern bei der Anmeldung von Events nicht ausreichend. Rein praktisch ergäbe sich zudem das Problem, dass solch eine Einwilligung widerufbar wäre. Und was ist mit Zuschauern, die zufällig durchs Bild wandern…? Spätestens an diesem Punkt dürfte jedem klar werden, was diese Regelung z.B. Für die Kunstform Streetphotography bedeutet. Die DSGVO steht juristisch über dem Kunsturhebergesetzt. Selbst das Fotografieren einer Hochzeit wird zum bürokratischen Akt, will man als Fotograf auf der sicheren Seite sein. So müsste man mit jedem einzelnen Gast einen 13-Seitigen Vertrag schließen – so sagte es neulich ein Fotokollege zu mir.

[Update: Dank SSL-Verschlüsselung wieder aktiviert]Die Kommentarfunktion habe ich hier im Blog zunächst deaktiviert, da zur Erfassung und Verarbeitung von personenbezogenen Daten ein SSL-Zertifikat vorhanden sein sollte. Bleiben wir auch so im Gespräch…

Der letzte macht das Licht aus…

 

https://freelens.com/politik-medien/aus-fotos-werden-daten/

https://www.ipcl-rieck.com/allgemein/wissen-zur-dsgvo-7-tipps-fuer-fotografen.html

  • Blende: ƒ/2
  • Verschlusszeit: 1/350s
  • ISO: 200
  • Brennweite: 50mm
  • Kamera: NIKON D800

Ein Gedanke zu „DSGVO und Fotografie – was nun?

  1. Manchmal gibt es sinnvolle Regelungen, manchmal unsinnige und manches Mal schießen sie übers Ziel hinaus wie auch genau die DSGVO im Bereich Fotografie, wie Du es so treffend beschrieben hast. Für solche wie uns die gerne mit der Kamera unterwegs sind und dieses auch präsentieren wollen geht hier mit der DSGVO eine Ära der freien Lebens-/und Meinungsgestaltung zu Ende. Auch ich habe mich schweren Herzen von einigen Aufnahmen getrennt und bedauere es schon jetzt Aufnahmen der Streetphotography nicht mehr zeigen zu können. Vielleicht ist es ja auch nur in Deutschland so krass(Abmahnwelle etc), ich habe mich auf verschiedenen Seiten im In- und Ausland umgeschaut, hinter unseren Grenzen sieht es in verschiedenen Photoblogs noch ganz entspannt aus, einige deutsche Seiten sind teilweise auf Wartung geschaltet oder gar nicht mehr zu erreichen. Hier und da hat sich bis auf das nötige update nicht viel geändert. Aber ich denke es ist vorläufig ratsam tatsächlich in der Hinsicht etwas vorsichtiger zu agieren.

    Fotografische Grüße,
    Olaf U7N

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